Während sich der Normalbürger nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel halbwegs wieder an den Alltag gewöhnt, zieht es eine Vielzahl leistungsorientierter Läufer in die wärmeren Regionen dieser Erde, um den hiesigen kalten und trüben Bedingungen zu entfliehen. So machen sich auch Polizeikommissaranwärter Marvin Heinrich (Landespolizei Hessen) und seine Trainingsgruppe aus Frankfurt sowie Polizeikommissarin Tabea Themann (Landespolizei Niedersachsen) zusammen mit dem Bundeskader Lauf der Frauen am 03.Januar 2017 auf die lange Reise Richtung Südafrika.

Ziel der aus insgesamt 17 Läufern bestehenden Truppe ist Dullstroom. Hierbei handelt es sich um ein kleines, nordöstlich von Johannesburg und auf ca. 2000 m Höhe gelegenes Örtchen. Es zählt nur etwa 600 Einwohner und gehört zu der Provinz Mpumalanga. Hier findet die Läufergemeinschaft in der dünnen Luft optimale Bedingungen vor, um ihre Grundlagenausdauer zu verbessern und den Grundstein für die anstehende Saison zu legen. Auf der ersten Station ihrer Höhenkette werden die Athleten von vier Bundeskadertrainern, einem Physiotherapeut sowie dem Institut für Angewandte Sportwissenschaften (IAT) begleitet, um das Training optimal zu steuern und zu kontrollieren. Bis zu drei Mal täglich flitzen und schwitzen die Mittel-/Langstrecken- und Marathonläufer gemeinsam und feilen an ihrer Form. Nach der anfänglichen Anpassung an die Höhe mittels mehrstündigen Wanderungen und eher ruhigeren Dauerläufen, steigen die Läufer nach etwa fünf bis sechs Tagen in den gewohnten Trainingslager-Alltag ein. Dieser beginnt morgens in aller früh. Bevor die Athleten um 7 Uhr ihr Bett verlassen, gilt es erstmals den Ruhepuls zu nehmen. Mit dem Wert im Kopf marschiert jeder nun im Halbschlaf in das Haus, in dem das IAT untergebracht ist, um täglich den CK– und Harnstoffwert kontrollieren zu lassen. Anschließend steht für die ersten Läufer bereits ein 6 bis 8 km langer Auftakt an, während sich der restliche Teil bei einem gemeinsamen Frühstück für deren morgendliches Training stärkt. Auf dem Plan stehen entweder 8 bis 20 km lange Dauerläufe gepaart mit Athletik und Gymnastik, Sprinttraining, Berganläufe oder Intervalleinheiten. Auf Grund des geringeren Sauerstoffanteils und der stark profilierten Umgebung ist hier jede Einheit mit Vorsicht zu genießen und wird schließlich auch ruhiger als ,,unten’’ bzw. auf Meereshöhe abgespult. Trotz langsamer gelaufener Geschwindigkeiten ist die Belastung jedoch nicht minder schwer - eher im Gegenteil. Ein weiteres Highlight für die Athleten ist das Training auf einer 400-Meter-Rasenbahn im 30 Kilometer entfernten Belfast. Nach erfolgreich absolvierten Einheiten belohnt sich die Läufertruppe häufig mit einem Restaurantbesuch oder lässt den Tag mit gemeinsamen Koch-/Grill- und Spieleabenden ausklingen. Obwohl der Regeneration zwischen den Einheiten, insbesondere in der Höhe eine große Bedeutung zukommt, nutzen die Läufer ihre freie Zeit sinnvoll. Nach einem Nickerchen lernen sie entweder für das jeweilige Studium oder pflegen soziale Kontakte zu Sportlern anderer Nationen wie z. B. aus Schweden, Polen, Norwegen, den Niederlanden. In der Regel treffen sich die Läufer dann ,,downtown“ für einen kleinen Snack oder trinken gemeinsam einen Kaffee in einem der vielen niedlichen Cafés, um sich auf diese Weise ein wenig dem Trainingsalltag zu entziehen. Dem Trainingsalltag bzw. Athletenalltag entziehen kann sich ein Großteil des deutschen Teams eines frühen Morgens um kurz nach 6 Uhr hingegen nicht, weil zwei Dopingkontrolleure aus Kapstadt vor der Haustür stehen und die Athleten aus den Betten holen. Auch an den freien Nachmittagen (i.d.R. zwei pro Woche) kommt hier keineswegs Langeweile auf. So macht sich das Team beispielsweise für eine kleine Abkühlung auf den Weg zu einem kleinen, jedoch wunderschönen Wasserfall, den ,,Trout River Falls“, genießt die atemberaubend, weitläufige Landschaft bei einem Ausritt oder macht sich auf die Suche nach den ,,Big Five“ im bekannten Krüger Nationalpark. Es handelt sich hierbei gewissermaßen um eine Belohnung; eine Art Sahnebonbon, für die sich der ganze körperliche Aufwand lohnt. Sofern die Rückreise und die Rückanpassung in Deutschland reibungslos funktionieren, haben die Läufer dieses Höhentrainingslager jedenfalls bestens genutzt, damit in der kommenden Saison auch die „Sahnebonbons“ auf der Bahn sowie auch auf der Straße folgen.