Das dritte Interview in der aktuellen Reihe >Auswirkungen der Corona Krise auf den Wettkampf- und Spitzensport< führten wir mit einem Sportler, der bereits seit seiner Jugend „auf dem Wasser zu Hause ist“.

Der Bundespolizist und Kanute Max Rendschmidt, der bei der Bundespolizeisportschule Kienbaum stationiert ist.






Betrachtet man sich die Erfolge des Sechsundzwanzigjährigen, so blickt man unter anderem auf 55 Gold-, 22 Silber- und 12 Bronzemedaillen, die er bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften sowie bei Europäischen und Deutschen Meisterschaften errungen hat.






Max, Du bist Mitglied der Deutsche Kanurennsport-Nationalmannschaft. Seit der Wiedervereinigung ist das deutsche Kanuteam die erfolgreichste Mannschaft der Welt in der von Dir ausgeübten Sportart. Was fühlt man, wenn man weiß, dass man ein Bestandteil hiervon ist?

Natürlich ist man stolz, wenn man ein Teil dieser großartigen Mannschaft ist und sein Land auf den Wettkämpfen präsentieren darf. Aber nichtsdestotrotz wäre diese Leistung nicht ohne die Mannschaft möglich, die hinter einem steht, von den Trainern über unsere Betreuer wie Physio bis hin zur Bundespolizei, die uns überhaupt erst die Möglichkeit gibt unseren Sport so zu betreiben, dass wir an der Weltspitze mitfahren können.



Wenn ich richtig informiert bin, warst Du mit dem deutschen Team im März dieses Jahres in Spanien im Trainingslager und hast Dich auf die kommenden Wettkämpfe vorbereitet. War zu dieser Zeit CORONA schon ein Thema, was euch als Sportler berührte?


Als wir nach Spanien anreisten, haben wir mitbekommen, dass das Trainingslager der Damenmannschaft, welches in Italien stattfinden sollte, nach Portugal verschoben worden war. Ansonsten blieben wir bis zu diesem Punkt weitestgehend verschont und machten uns keine Sorgen. Im Verlauf des Trainingslagers änderte sich dies später aber sehr schnell. Mit den ersten Informationen über eine frühzeitigere Rückreise drehte sich das Ganze. Wir fuhren knapp eine Woche früher als geplant und das Hals über Kopf mit 4 Taxen und einem Leihwagen nachts in Richtung Portugal, um am nächsten Morgen den Flieger nach Deutschland zu nehmen. Wir hatten Glück. Ein Tag nach unserer Abreise wurde der Shutdown in Spanien beschlossen. Somit waren wir am Ende deutlich näher an der Corona-Krise als wir wollten.



Man hat sich auf das Ziel TOKIO vorbereitet. Das Training war über Monate, wenn nicht Jahre, darauf ausgerichtet. Was empfindet ein Sportler, wenn er erfährt, dass man zunächst über eine Verschiebung der Spiele diskutiert und schließlich der Veranstalter diese auf das Jahr 2021 verlegt?

Wir kennen alle die Situation mit dem Shutdown und die damit einhergehenden Einschränkungen. Das Verschieben der Spiele war eine Entscheidung, die zu erwarten war. Aber enttäuscht war ich natürlich, als es amtlich wurde. Wenn man sich über Jahre und besonders in den letzten Monaten so intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet und in dieser Zeit auf vieles verzichtet, ist das nicht verwunderlich. Nun müssen wir ein weiteres Jahr durchhalten und wissen nicht zu 100%, ob die Spiele 2021 wirklich stattfinden werden.



Nachdem die Verschiebung der Olympischen Spiele offiziell war, verordnete der Deutsche Kanuverband nach meinen Informationen seinen Athleten eine zweiwöchige Pause. Wie war diese Zeit für Dich? Wie hast Du sie gestaltet und konntest Du Deine Form halten?

Nach dem die Olympischen Spiele abgesagt wurden, gab es nie eine offizielle Pause vom Verband. Ich habe das Training ein bisschen runtergefahren, zumindest was das Krafttraining betraf. Es war ja aufgrund der Corona Maßnahmen nicht möglich in den Fitnessraum zu gehen. Meine Einheiten auf dem Wasser aber, habe ich ganz normal weiter gemacht. Direkt nach der Absage der Spiele hieß es, man wolle noch eine nationale Qualifikation für die Kadernominierungen fahren und gegen Ende der Saison versuche man eine Weltmeisterschaft zu planen. Somit war man gezwungen, so gut wie möglich weiter zu trainieren, um nicht den Anschluss zu verlieren.



Bei den letzten Olympischen Spielen in Tokio konntest Du zwei Goldmedaillen erringen, für die Du von dem damaligen Bundespräsidenten, Joachim Gauck, das Silberne Lorbeerblatt erhalten hast. Welche Erwartungen hattest Du für Tokio 2020?

Das Motto der Olympischen Spiele ist, dabei sein ist alles. Wir halten seit drei Jahren den Weltmeistertitel im K4 über 500 m , da wollten und wollen wir natürlich bei den Medaillen mitmischen.



(K4 mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher, und Max Lemke)




Aktuell finden keine Wettkämpfe im Kanusport statt. Rechnest Du damit, dass in diesem Jahr noch welche ausgetragen werden?

Wie vorhin schon erwähnt, rechne ich fest mit Wettkämpfen, vielleicht nicht international aber national werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit Wettkämpfe haben.



Eine Frage, die ich auch in den vorherigen Interviews gestellt habe. Sind Wettkämpfe ohne Zuschauer eine Alternative für Dich?

Wettkämpfe ohne Zuschauer sind für mich eine Alternative, aber nicht bei Olympischen Spielen. Bei den Qualifikationswettkämpfen hätte ich damit kein Problem. Bei den Olympischen Spielen würde ohne Zuschauen ein Teil fehlen, der diese Spiele erst ausmacht.



2017 hast Du Deine Ausbildung zum Polizeimeister an der Bundespolizeisportschule Kienbaum abgeschlossen. Kannst Du etwas zu Deinen weiteren beruflichen Zielen erzählen?

Ich möchte auf jeden Fall noch ein paar Jahre Leistungssport betreiben und mich mit der Weltelite messen. Man darf aber nicht vergessen, dass man auch Bundespolizist ist. Aus diesem Grund machen wir in der Regel jedes Jahr ein Praktikum auf einer Dienststelle der Bundespolizei. Wünsche können wir hierbei äußern und man versucht auch diesen nachzukommen, wenn es möglich ist. Mein letztes Praktikum durfte ich bei der Küstenwache in Cuxhaven machen. Dort bin ich mit der vierten Besatzung der Bad Bramstedt auf See gefahren. Es war ein sehr interessantes Praktikum. Ich habe viel Neues erfahren und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wegen der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele konnte ich in diesem Jahr kein Praktikum machen. Aber ich hoffe, dass ich noch viele Einblicke bekommen kann. Für die Zeit nach dem Sport werde ich auf jeden Fall einen Aufstieg aus dem mittleren Dienst in den gehobenen Dienst ins Auge fassen und alles dafür tun.



Einer Deiner Partner im Kanu ist Marcus Groß, ebenfalls ein Bundespolizist. Mit ihm hast Du bereits mehrere große Erfolge errungen, unter anderem Gold in Rio. Wenn man fast täglich gemeinsam trainiert und bei Wettkämpfen von morgens bis abends zusammen ist, verbringt man dann auch noch gemeinsam seine Freizeit?

Ja wir verbringen sehr viel Zeit im Trainingslager und bei Wettkämpfen zusammen. Es ist bei uns nicht anders als bei anderen in ihren Firmen oder auf ihren Dienststellen. Es entwickeln sich auch Freundschaften. Deshalb ist es für uns ganz normal unsere Freizeit zusammen zu verbringen. Dann haben wir aber auch andere Themen als Wettkampf und Training.



(Max Rendschmidt und Max Lemke)




Als ich im Vorfeld des Interviews über Dich recherchierte, sind mir Bilder von Motorrädern aufgefallen. Um so erfolgreich zu sein wie Du muss man täglich hart trainieren. Man ist über das Jahr auf zahlreichen Wettkämpfen, die nicht nur innerhalb Deutschlands stattfinden. Bleibt da noch Zeit für das Motorradfahren oder andere Hobbys?

Besonders in den Phasen vor den Olympischen Spielen und größeren Wettkämpfen sind die zeitlichen Ansprüche für das Training enorm hoch. Da bleibt nicht viel Zeit für Familie und Hobby. Aber manchmal ergibt sich auch dort eine kleine Lücke, und ich kann mit meinem Motorrad mal eine Runde drehen. In der Regel versuche ich aber meine Freizeit auf meine Freundin und meine Familie auszurichten, damit wir die vorhandene Zeit zusammen verbringen können.