Das DPSK wird in den kommenden Wochen Interviews einiger Polizeisportlerinnen und Polizeisportler auf der Homepage einstellen. Wir werden hierbei mehr über ihren Sport und ihre aktuelle Situation, besonders unter dem Einfluss der Corona-Epidemie, erfahren.
Die erste Sportlerin über die wir berichten wollen, ist die Bobpilotin
Kim Kalicki.







Die 1997 geborene Bobpilotin startet für den TuS Eintracht Wiesbaden 1846, ist Polizeibeamtin des Landes Hessen und gehört bereits seit 2016 zum Nationalkader. Bisher konnte sie elfmal Edelmetall erringen. So zählen u.a. 4 x Gold, 1 x Silber und 3 x Bronze bei Bob-Juniorenweltmeisterschaften zu ihrer Medaillensammlung. Ihr jüngster großer Erfolg war der Gewinn der Silbermedaille in diesem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Altenberg.



Kim Kalicki war bereit uns einige Fragen zu ihrer aktuellen Situation nach ihrem Training an der Hessischen Polizeiakademie in Wiesbaden, am 21.April dieses Jahres zu beantworten.


Kim, das Jahr 2020 hat ja super für Dich angefangen. Am 8. Februar wurdest Du Junioren-Weltmeisterin in Winterberg und sicherste Dir damit ein persönliches Startrecht für die spätere Weltmeisterschaft in Altenberg. Dort gelang Dir dann etwas, was viele Fachleute doch sehr überraschte, Du sicherste Dir die Silbermedaille hinter der US-Amerikanerin Kaillie Humphries und vor der Kanadierin Christine de Bruin.
Hattest Du Dir im Vorfeld Chancen ausgerechnet in Altenberg auf dem Treppchen zu stehen?


Um ehrlich zu sein, nein. Ich bin total entspannt an die Sache rangegangen. Im Weltcup in Lake Placid hatte ich zwar gezeigt was ich kann, aber mit einer Medaille bei meiner ersten WM habe ich nicht gerechnet.



Für eine Hessin ist der Bob nicht gerade ein übliches Sportgerät. Wie bist du zu dieser Sportart gekommen?


Ich habe vorher Leichtathletik gemacht. Mein damaliger Athletik Trainer und ich sind 2014 nach Winterberg gefahren, um eine Anschubeinheit zu absolvieren. Dort führte das Eine zum anderen.



Um wie Du in der Spitze mitfahren zu können, muss man das ganze Jahr zielgerichtet trainieren. Kannst Du uns etwas zu deinem Trainingsplan erzählen?


Ich trainiere 6-mal die Woche 9 Einheiten. Dazu gehören Sprints, Sprünge und Krafttraining. Da musst du auch am Wochenende ran. Ab Mai geht’s dann für zwei bis drei Monate nach Halle zum Athletiktraining und zum Anschubtraining nach Riesa. Das bedeutet, dass man nur alle drei Wochen zu Hause ist.








Im Winter bist Du ja ständig unterwegs. Du fährst von einem Wettkampf zum anderen und die finden ja nun mal nicht nur in Deutschland oder Europa statt. Bekommt man da nicht hin und wieder Heimweh und vermisst seine Familie und den Freundeskreis zu Hause?


Auf jeden Fall! In der Zeit von Oktober bis März bin ich wegen des Sports höchstens zwei Wochen zu Hause. Ich bin ein totaler Familienmensch und vermisse sie immer, wenn ich unterwegs bin. Ich habe jedoch täglichen Kontakt, auch wenn dieser meist sehr kurz ist. Zu meinen Freunden habe ich natürlich auch ständig Kontakt und nach jeder Saison bin ich froh, wenn ich mich wieder regelmäßig mit ihnen treffen kann.



Fahren Deine Eltern zu den Wettkämpfen um Dich anzufeuern?


Auf den Großveranstaltungen wie Weltmeisterschaften sind sie immer zu finden, aber auch sonst versuchen sie, wenn möglich dabei zu sein. Da meine Mutter selbstständig ist und einen eigenen Friseurladen hat, kann sie natürlich nicht zu jedem Rennen kommen.



Wenn man sich Deinen Tagesablauf ansieht, scheint da nicht mehr viel Freiraum für andere Sachen, wie eine feste Beziehung oder Hobbys zu bleiben. Ist das richtig?

Mein Freund Costa Laurenz ist ebenfalls als Bobfahrer in der Sportfördergruppe der Hessischen Polizei. Das hat natürlich viele Vorteile. In der Vorbereitung auf die Saison können wir uns zum Beispiel eine gemeinsame Wohnung in Halle nehmen. Wenn alles gut geht, dann können wir in der kommenden Saison beide im Weltcup starten. Costa ist derzeit im Bobteam von Richard Oelsner.



Corona ist ja zurzeit in aller Munde. Inwieweit hat die Pandemie Auswirkungen auf Deine sportlichen Aktivitäten?


Mich betrifft es zum Glück nicht ganz so stark. Unseren Saisonhöhepunkt hatten wir Ende Februar mit der WM in Altenberg. Danach war erstmal eine kleine Pause angesagt (leider ohne Urlaub). Seit drei Wochen bin ich wieder im Training.




Zurzeit finden so gut wie keine Sportveranstaltungen statt. In der Fußballbundesliga wird man im kommenden Monat den Spielbetrieb wieder aufnehmen und dies aber in leeren Stadien bei so genannten Geisterspielen. Kannst Du Dir Wettkämpfe ohne Zuschauer vorstellen?


Das fällt mir schwer. Bei kleineren Wettkämpfen würde ich es nicht so schlimm empfinden, da waren die Zuschauerzahlen in der Vergangenheit meist auch überschaubar. Bei Großveranstaltungen ist das ganz anders.
Wenn ich an die vergangene Saison denke und da an den Start bei der Junioren Bob-WM, bekomme ich wieder Gänsehaut. Die Zieleinfahrt im vierten Lauf bei der Bob-WM war unbeschreiblich. Beim Start dachte ich mir nur - „Du kannst heute Zweite werden“. Unten angekommen, die ganzen Leute, die ausrasteten und jubelten, das war einfach nur geil.



Video: Entscheidung WM 2020 - Vierter Lauf






In den vergangenen Jahren hast Du mit verschiedenen Anschieberinnen zusammengearbeitet. Wer entscheidet eigentlich, welche Sportlerin hinter Dir oder besser gesagt mit Dir durch den Eiskanal fährt?


Vor jeder Saison findet sich ein Team zusammen, mit welchem man auch die internen Selektionen bestreitet. Nach den Selektionen werden die einzelnen Teams auf die Rennserien verteilt. Die Anschieberinnen werden bei einem zentralen Leistungstest bewertet und danach auf die einzelnen Schlitten gesetzt.


(Kim Kalickli nach dem Zieleinlauf und dem Gewinn der Silbermedaille)



Kannst Du uns etwas zu Deinen sportlichen und beruflichen Zielen berichten?


Mein sportliches Ziel ist ganz klar Olympia 2022 in Peking. Schön wäre es, wenn ich nächste Saison den ganzen Weltcup durchfahren dürfte und gut bei der WM in Lake Placid abschneiden würde. Meine beruflichen Ziele hängen ein bisschen damit zusammen wie lange ich noch Hochleistungssport betreibe. Ich finde die einzelnen Bereiche der Bereitschaftspolizei sehr interessant. Ich denke, dass ich in einer Einheit für eine gewisse Zeit gut aufgehoben wäre. Wenn das Thema Familie dann noch dazu kommt, könnte ich mir gut vorstellen in der Aus- und Fortbildung als Schießtrainerin oder Einsatztrainerin zu arbeiten.




Kim, das DPSK wünscht Dir alles Gute für die kommende Saison. Wir hoffen, dass die Zuschauer bis dahin bei den Veranstaltungen wieder an der Bahn dabei sein können und Du noch mehrere solcher Momente, von denen Du gerade erzählt hast, erleben kannst.



Interview Manfred Schäfer
(Geschäftsstelle DPSK)