Die Corona-Krise bringt weltweit große Probleme, Einschränkungen und wohl noch nicht absehbare Schäden. Sie trifft uns alle auf verschiedenen Ebenen und sicherlich auch unterschiedlich hart. Aber auch die große wie die kleine Welt des Sports und vor allem die großen und kleinen Sportler leiden erheblich darunter.









So können aus nachvollziehbaren Gründen die Olympischen Spiele, die im Sommer in Japan stattfinden sollten, nicht durchgeführt werden. Zahlreiche deutsche Polizeibeamtinnen und -beamte, die sich bereits schon für diese Spiele qualifiziert hatten oder auf dem besten Weg zur Teilnahme in Tokio waren, müssen nun enorme Geduld und Willensstärke aufbringen. Aus ebendiesen Gründen konnte auch die DPM Judo nicht durchgeführt werden; die Berliner Kollegen um den Polizeisportbeauftragten Fred Kusserow waren mitten in der Vorbereitung für eine wiederum sehenswerte nationale Polizeimeisterschaft. Nicht nur bei diesen Judo-Highlights hätten wir spannende Judokämpfe erwartet und mit Sicherheit auch gesehen. Es ist sehr schade, dass sich weder unsere geförderten Spitzensportler der deutschen Polizei noch unsere Leistungssportler aus den Bundesländern in ihrer Lieblingssportart Judo messen konnten - es ist aber nun mal so und wir können diese Situation nicht ändern.

Die Folgen der Kontaktbeschränkungen waren und sind großteils immer noch inhaltlich deutlich reduzierte Solo-Trainings, kein Partnertraining, was für den Judoka die "Seele des Judo" ist und natürlich keine Wettkämpfe. Das fordert von unseren Sportlern, ob nun unsere Spitzen- oder unser Leistungskämpfer, ein enormes Durchhaltevermögen und eine große Frustrationstoleranz - zweifelsfrei sind dies auch ganz entscheidende Polizei- und Judowerte. Es sind wohl alle Sportarten eingeschränkt, besonders massiv trifft es vor allem unsere "ausgesprochen dienstbezogenen Polizei-Sportarten Judo und Ju-Jutsu".

Sowohl als Vizepräsident im Polizeisportverein Königsbrunn als auch durch meine Tätigkeiten im internationalen Bereich "Judo für Polizei / Judo für Frieden und Entwicklung" sehe bzw. höre ich von zahlreichen Problemen, die durch das Fehlen des gewohnten Sporttreibens in der Sportfamilie vom Verein bis zu den internationalen Sportverbänden entstehen. Das sportliche Gemeinschafts- und Vereinsleben, die Keimzelle und Basis von Freizeit-, Gesundheits-, Leistungs- und Spitzensport wurde zeitweise auf null gesetzt. Körperliche Leistungsfähigkeit, soziale Entwicklung und die erzieherischen bzw. persönlichkeitsbildenden Aspekte des Sports werden dadurch deutlich reduziert. Was mich persönlich sehr stark berührt, ist die Tatsache, dass leider gerade zum 10-jährigen Jubiläum meines Projektes „Judo for Ethiopians“ die mühevoll ausgebildeten äthiopischen Judotrainer durch den Lock-down aktuell keine Einkommen mehr haben und auf finanzielle Hilfen angewiesen sind.

Es bleibt aus meiner Sicht einerseits nichts anderes, als die momentane Situation anzunehmen und die erlaubten Öffnungsschritte der Corona-Beschränkungen sinnvoll und vernünftig mitzugehen. Diese sind sowohl in den Sportarten, weltweit wie auch in unseren Bundesländern teilweise sehr unterschiedlich. Auf der anderen Seite sollten wir mit der Judo-Grundregel "never give up" mit gutem Beispiel vorangehen, unsere anvertrauten Sportler so gut es geht motivieren und ihnen eine Perspektive aufzeigen.
Im Polizeisportverein Königsbrunn geschieht dies mit regelmäßigen sozialen Kontakten und Trainingsangeboten im Bereich des Erlaubten wie aktuell "Judo im Freien und ohne Körperkontakt". Letztlich führen wir kein "social distancing" durch, sondern halten uns an ein "physical distancing". Dass wir damit richtigliegen, zeigt das große Hallo, wenn sich Kinder, Jugendliche und Eltern wiedersehen können und sich zumindest auf die „Distanz in die Arme fallen“. Der Deutsche Judo-Bund hat sogar zwei unserer "Corona-Engagements" in ihre Liste des best practice aufgenommen.

Unsere polizeilichen Kampfsportarten Judo und Ju-Jutsu sind in der Tat "sehr polizei-relevant". Für die Verrichtung des täglichen Dienstes mit immer häufigeren und komplizierteren Konfliktsituationen ist auch dieses Training enorm wichtig. Denn: Das gewaltbereite kriminelle Gegenüber hält sich auch in der Corona-Zeit nicht an Trainingsverbote, ein weiterer Nachteil für die Polizei - das sollte uns zu denken geben! In der großen Zuversicht, dass wir in absehbarer Zukunft, den sportlichen und dienstlichen Trainingsbetrieb wiederaufnehmen und in der Folge Wettkämpfe aufs Neue stattfinden können.

Bleiben Sie gesund und motiviert!
Never give up!






Johannes Daxbacher
(Fachwart Selbstverteidigung im DPSK)