Quo vadis Dienstsport – moderner Dienstsport in der Polizei

40 Kolleginnen und Kollegen aus Bund und Ländern folgten der Einladung für den vierten Workshop des DPSK mit der diesjährigen Thematik „Quo vadis Dienstsport – moderner Dienstsport in der Polizei“. Der Workshop fand vom 16. bis 18. Juli in Wiesbaden bei der Polizeiakademie Hessen statt.





Die Betrachtung dieses Themas erfolgte aus sehr unterschiedlichen Perspektiven:


Um einen Anfang in das Thema zu finden, wurden durch Dr. Christel Bernstein, Angehörige der Polizei Niedersachsen, Studien vorgestellt, die sich mit den körperlichen Anforderungen des Polizeiberufes auseinandersetzen und für die Polizeiarbeit benötigte und zu trainierende motorische Fähigkeiten wie Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit ableiten. Ihre Sicht der Dinge hinsichtlich eines modernen und einsatzorientierten Dienstsportes verdeutlichte sie an fünf Aspekten: Zielgruppe, körperliche Anforderungsprofile, Training, fachliche Anleitung und Korrektur sowie Diagnostik.
„Dienstsport als Themenfeld im Gesundheitsmanagement“ zeigte eine weitere interessante Perspektive. Innerhalb eines Vortrages Dr. Nadine Will und Daniela Marschall, Angehörige der Polizei Hessen, wurde sehr anschaulich der Aufbau der Polizeiakademie Hessen inklusiv der Gedanken zu den Arbeitsbereichen „Einsatztraining, Fahrtraining, Sport “ und „Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz und Dienstsport (GAD)“ dargestellt. Strategisch verortet ist der Dienstsport im GAD. Hier wurde auch der Ansatz entwickelt, dass Anforderungs- und Belastungsanalysen für PVB die Grundlagen zur Entwicklung neuer Trainingskonzepte bilden sollten, woraus das Pilotprojekt „Diagnostik/Tätigkeitsanalyse und Intervention bei Sondereinheiten“ entstand. Auch dies war Teil des Vortrages und stieß auf großes Interesse bei den Teilnehmenden.

Gemeinsam mit der Universität Karlsruhe erarbeitete der GAD eine Diagnostik, die Auskunft über die Leistungsfähigkeit der einzelnen motorischen Fähigkeiten gibt. Auf diese Weise können individuelle, körperliche Stärken und Defizite erfasst und gezielt gefördert werden (z.B. durch individuelle Trainingshinweise). Mit Dr. Nadine Will und Daniela Marschall, Rüdiger Zipp und Dennis Vogt, allesamt Angehörige der Polizei Hessen, konnten Spezialisten gewonnen werden, die die Diagnostik und Intervention an den Mann und an die Frau zu bringen und zu vermitteln wussten.

Ein Schwerpunkt des Workshops war auch Dienstsportmodelle vorzustellen und einen Einblick in die Trainingspraxis zu geben. Michael Stephan vom Polizeipräsidium Frankfurt stellte beeindruckend den Aufbau und die Organisation des Dienstsportes anhand eines riesigen Plakates/Organigramms dar und wechselte dann zu einem schweißtreibenden Zirkeltraining.

Thorsten Schmidt aus Rheinland-Pfalz stellte den Dienstsport in einer Flächendienststelle vor und beschrieb wie in der Praxis, Grundlagen der Selbstverteidigung in ein Training eingebaut werden können. Als Entwickler des Hybrid Defense Concepts, eine Mischform einfacher Techniken aus unterschiedlichen Kampfsystemen, brachte er der Gruppe gezielt Bewegungsmuster nahe.

Mit der Frage, wie es gelingen kann, die Sportteilnahme Erwachsener und deren langfristige Aufrechterhaltung zu fördern, beschäftigt sich die sportwissenschaftliche Forschung bereits seit vielen Jahren. Ein Thema, dass auch in der Polizei präsent ist. Einige Erklärungstheorien liefern dabei Hinweise auf Faktoren und Prozesse, von denen eine Verhaltensänderung von der Inaktivität zur regelmäßigen Aktivität abhängig ist, wie z.B. aus Motivations- und Volitionsmodellen, welche direkt oder indirekt über die Intention das Sportverhalten beeinflussen.

Als eine weitere Perspektive zum o.g. Thema des Workshops stellte Dr. Nadine Will anschaulich und verständlich ein Verhaltensänderungsmodell – „Menschen in Bewegung bringen“ dar und gab einen systematischen Überblick zu den Stufen und Phasen einer Verhaltensänderung, um von der Inaktivität zur Aktivität zu kommen.

Ergänzt wurde der Vortrag durch den Hinweis zum Projekt „Wiedereinstieg in den Sport“ der Polizei Hessen. Aufgrund des hohen Interesses wurden die Inhalte freundlicherweise von der Verantwortlichen des Projektes und Teilnehmerin des Workshops, Nadine Renno, Angehörige der Polizei Hessen, am Abschlusstag vorgestellt.




Zum Abschluss:
Das Besondere in diesem Jahr ist zwischen dem ÜL-Workshop und dem Führungskräfteseminar „Gesundheit, Bewegung und Führung“ eine Zusammenführung der Sichtweisen und Erfahrungswerte zu versuchen, um so einen Austausch zum Thema Dienstsport und Veränderungsprozesse anzuschieben. Die doch bundesweit ähnlichen Probleme im Bereich Dienstsport regten die Übungsleiter-/innen dazu an, Wünsche an/für die Führungskräfte festzuhalten. Diese sollen im Führungskräfteseminar in Barsinghausen vorgestellt und thematisiert werden.




Trotz unterschiedlicher Organisationsformen, trotz unterschiedlicher Infrastruktur und trotz bestehenden Personalmangels in den Ländern und beim Bund bedarf es für jeden Einzelnen und jeder Einzelnen einer gründlichen Vorbereitung der Physis und Psyche, um für die polizeilichen Aufgaben „gewappnet“ zu sein. Hierfür ist - nennen wir es anstelle Dienstsport - Training zur Vorbereitung der Bewältigung von dienstlichen Verwendungen und möglichen Einsatzlagen nötig. Dienstsport/Training ist daher kein Selbstzweck, sondern eine Zubringerleistung, die sicherstellt, dass PVB ihre Aufgaben erfüllen können.


Dr. Christel Bernstein
(Hauptsportwartin im DPSK)