Fabian Liebig kam 2014 in die Sportfördergruppe der Polizei Brandenburg und absolviert ein fünfjähriges, statt üblicherweise dreijähriges, Bachelorstudium zum Polizeikommissar. Am Sonntag erzielte er vollkommen überraschend den größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn als Sportler im Modernen Fünfkampf. Weltmeister!

Interview: Wie fühlt es sich an, Weltmeister zu sein?

Es ist einfach unglaublich! Meine Saison lief dieses Jahr nur mäßig. Ich hatte mit einem WM Startplatz gar nicht gerechnet. Auch nicht in der Mixed-Staffel. Als dann der Bundestrainer doch noch überraschend anrief und mich nachnominierte, habe ich mich sehr darüber gefreut. Rebecca und ich sind als Außenseiter an den Start gegangen und hätten eigentlich nur mit sehr viel Glück, Chancen auf eine Medaille gehabt.

Rebecca und Fabian beim Fechten

Alles kam jedoch anders. Die anderen Nationen schwächelten insbesondere im Fechten, wo wir einen Glanztag erwischten. Wir waren bereits nach dem Fechten mit 280 Punkten auf Platz eins. Der Abstand betrug 29 Punkte zum zweiten Platz. Im Fünfkampf sind das Welten! Ob es überhaupt schon mal einer Staffel gelungen ist, 280 Punkte - also 25 Siege bei 5 Niederlagen - zu Fechten, glaube ich nicht. Die Leistung war einfach nur extrem!

Dazu kommt noch, dass ich die letzten Nächte zuvor nur wenig Schlaf gefunden hatte, da wir hier auch 7 Stunden Zeitverschiebung gegenüber Mitteleuropa haben. Das dann sowas am Ende bei raus kam, war einfach unfassbar! Die WM fand dieses Jahr in México Stadt auf 2250m Höhe statt. Das war eine Herausforderung für alle Athleten, die diese Höhe nicht gewohnt waren, denn diese wirkt sich stark auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus. Bevor wir nach Mexiko flogen, gab es noch ein Trainingslager in den Französischen Pyrenäen für 3 Wochen auf 1850m zur Anpassung. Das hat sich offensichtlich ausgezahlt.


Laserrun

Wie war der Verlauf des Wettkampfes und ab wann wusstest du in etwa, dass es zur Weltmeisterschaft reichen wird?

Nach dem Fechten mussten wir uns im Schwimmen beweisen und unseren Vorsprung halten. Das gelang uns mit einer soliden Leistung. Danach war Springreiten an der Reihe. Hier kamen wir mit nur einem Abwurf durch und konnten unseren Vorsprung damit sogar noch leicht ausbauen! Als es zum Laserrun ging, hatten wir ein Polster von 31 Sekunden auf Platz zwei. Wir mussten das Ding jetzt nur noch nach Hause bringen. Rebecca und ich sind jedoch nicht die sichersten Schützen, sodass wir noch einmal extrem aufgeregt waren, obwohl wir wussten, dass wir den Titelgewinn eigentlich kaum noch hergeben konnten.
Nachdem Rebacca an mich übergeben hat, hatten wir noch ca. 20 Sekunden Vorsprung auf das zweitplatzierte Ungarn. Ich konnte beim Schießen den Vorsprung halten und wusste bereits nach dem letzten Schuss und den noch ausstehenden 800m bis ins Ziel, dass es reichen wird. Diese 800m waren einfach nur noch zum Genießen. Ich bin ein guter Läufer, und ließ uns den Sieg nicht mehr nehmen. Am Ende gewannen wir dann mit 25 Sekunden vor Ungarn. Dritter wurde Frankreich.

Beim Fünfkampf werden alle Disziplinen in Punkte umgerechnet. Ein Punkt zählt dabei eine Sekunde. Der Laserun ist immer zum Schluss. Dort werden die Punkte wieder in Sekunden umgerechnet. Der Erste startet bei 0 und der Zweite mit seinem Handicap abhängig von seinen Punkten und dem Abstand zum Ersten. So setzt sich das ganze weiter fort. Moderner Fünfkampf: Fechten (jeder gegen jeden auf 1 Treffer), 100m Schwimmen (200m beim Einzelwettkampf), Springreiten (mit zugelosten Pferden), Laserrun (4x800m Laufen, dazwischen immer Schießen wie beim Biathlon, jedoch mit Luftpistolen, die Laser verschießen).

Siegerehrung

Kommen wir zur Polizei. Wie weit bist du mit deinem Bachelorstudium und was sind die Pläne danach?

Zur Zeit bin ich im Kripo-Praktikum in Potsdam. Das gefällt mir ziemlich gut, weil es sich gut mit dem Sport aufgrund der variablen Arbeitszeiten vereinbaren lässt. Das vorherige Praktikum im Streifendienst hatte mir jedoch auch sehr gut gefallen. Wie meine Zukunft bei der Polizei aussehen wird, weiß ich noch nicht. Das Einzige was ich sagen kann ist, dass Polizist zu sein einfach mein Traumjob ist und bleiben wird! Auf jeden Fall möchte ich nach dem Sport bei der Polizei bleiben!

Rebecca und Fabian nach dem Zieleinlauf

Im Oktober 2019 werde ich mein Studium abschließen. Derzeit beginne ich mit der Bearbeitung meiner Bachelorarbeit. Danach möchte ich mich jedoch erstmal voll auf Tokio 2020 fokussieren. Zum Glück bietet die Fachhochschule der Polizei für Sportler wie mich schließlich genau diese Möglichkeit: Fokussierung auf den Sport!