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16. Europäische Polizeimeisterschaften im Crosslauf

EPM Crosslauf in Aarhus/Dänemark. Domenika Mayer siegt souverän.

Deutsches Team gewinnt von acht möglichen Medaillen, fünf.

 

Mit fünf Medaillen und weiteren Top-Platzierungen übertraf das deutsche Polizeiteam die bereits hochgesteckten Ziele. Doch nun der Reihe nach.

 

Am Sonntag, den 07.11.2021 wurden in Aarhus/Dänemark die 16. Europäischen Polizeimeisterschaften im Crosslauf ausgetragen. In "Coronazeiten" waren dies die ersten und letzten  Polizeieuropameisterschaften die durch die USPE im Wettkampfjahr 2021 veranstaltet wurden. Verzeichnet war die sehr hohe Wettkampfbeteiligung von 19 Nationen mit 107 gemeldeten Polizisten und 51 Polizistinnen.

Für die deutsche Delegation hatten sich für die Frauenmannschaft (Foto: von links nach rechts und von oben nach unten) Stephanie Weiß (HE), Theresa Ortenreiter (BY), Carina Fierek (NW), Isabel Appelt (BY), Kerstin Hirscher (BY), Domenika Mayer (BY) qualifiziert. Auf dem Foto sind außerdem links im Bild der Generalsekretär der USPE, PD Andreas Röhner sowie rechts im Bild der technische Delegierte der USPE für Crosslauf und Marathon, Ian Redican, zu sehen.

Bei den Männern waren (Foto: von links nachr echts und oben nach unten) Patrick Karl (BY), Marcel Lemberg (TH), Tim Stegemann (TH), Tom Gröschel (MV), Marcus Schöfisch (SN) und Domenik Hahn (BW) am Start.

Nachdem sich die qualifizierten Läuferinnen und Läufer am Abend des 04.11.21 bei der
Bereitschaftspolizeiabteilung in Eutin, vollständig geimpft, mit PCR Test getestet und gesund, vollzählig eingefunden hatten, konnte das Abenteuer Europäische Polizeimeisterschaften im Crosslauf 2021 in Aarhus beginnen. Hoch motiviert reisten die Aktiven in Begleitung des Delegationsleiters und Geschäftsführers des DPSK, Frank Schemmer, am Freitag, den 05.11.2021, per Reisebus nach Aarhus/Dänemark an. Dem Team zur Seite standen Giuliano Buccini von der Geschäftsstelle des DPSK, Trainer und Betreuer Jörn Durst (TH), Physiotherapeut Karsten Zscherpe (BW) sowie der Fachwart für Cross- und Straßenlauf Jörg Müller (BW).

Foto: Ein Bus und die Fahrer Stefan Plath sowie Aik Fehrle wurden von der Bundespolizei zur Verfügung gestellt

Nach ca. 4 Stunden erreichten wir unsere "Basisstation" das Hotel Scandic "The Mayor" in der wunderschönen Altstadt Aarhus. Dort empfingen uns die dänischen Betreuer, die uns während der Veranstaltung mit Worten und Taten unterstützten. Nach Überprüfung der Meldedaten, Aushändigung der Startunterlagen und der Akkreditierung, erfolgte der Zimmerbezug im Hotel. Direkt am nächsten Morgen ging es weiter zum etwa vier Kilometer entfernten Wettkampfparcours. Die Streckenbesichtigung für alle teilnehmenden Nationen stand an. Das erste Teilstück das dabei den Teilnehmenden "ins Auge fiel" war ein langes und tiefes Schlammloch. Doch damit nicht genug, tiefe Wassergräben, Sprünge und drei zu überlaufende steile und lange „Rampen“  rundeten den 2,8 km langen Streckenverlauf ab. Mit einem Dauerlauf konnten sich unsere Läufer/innen auf den Parcours bestens einstimmen. Allen Beteiligten war sehr schnell klar, dass es am nächsten Tag keine taktischen „Spielereien“ sondern ein knallhartes Tempoausscheidungsrennen der Läufer/innen geben würde. Manchem Teilnehmenden war dabei anzumerken, dass man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste wie man am nächsten Tag diese Strecke bewältigen sollte.

Am Spätnachmittag, pünktlich um 16.00 Uhr, wurden die 16. EPM im Crosslauf im Kongressaal des Rathaus Aarhus mit der Sprechung des olympischen Eides und der Hissung der USPE-Flagge, feierlich eröffnet. Am Abend folgte dann die Besprechung der technischen Kommission. Dort wurden wir vom verantwortlichen technischen Delegierten mit den Worten empfangen: „Die dänischen Organisatoren, die dänische Police Sport´s Union, haben die Messlatte für die 16. Europäischen Polizeimeisterschaften im Crosslauf denkbar hochgelegt. Wir werden mit Sicherheit eine Veranstaltung von hohem sportlichem Wert erleben. Der Kurs ist der Kurs, es wird nichts verändert oder gekürzt.“

Nun war klar, dass sämtliche Topathleten der teilnehmenden Länder nicht nur formal gemeldet, sondern auch tatsächlich an diesen EPM Crosslauf teilnehmen würden. Aber schnell wurde auch klar, dass unser Team bei optimalem Verlauf und Leistungsabruf auch eine große Chance auf Medaillengewinne haben könnte. Dies wurde den Athlet/innen bei der anschließenden Besprechung nochmals ins Gedächtnis gerufen.

Gold und Bronze bei den Frauen, Domenika Mayer herausragend

Nun war es endlich soweit. Vier Runden mit exakt 2,4 Kilometer Länge, mussten von der Frauenklasse bewältigt werden.

Um 10.30 Uhr wurde der Frauenlauf, bei dem Läuferinnen aus 15 Nationen um den Gewinn der Polizeieuropameisterschaft in der Einzel- und Mannschaftswertung kämpften, freigegeben.

Unsere Läuferinnen, Kerstin Hirscher, Isabel Appelt, Domenika Mayer, Theresa Ortenreiter, Stephanie Weiss und Carina Fierek hatten die Startbox Nr. 15 zugelost bekommen und konnten sich beim Start im vorderen Drittel behaupten.

Foto: Domenika Mayer von der bayerischen Polizei

Nach der Startgeraden setzten sich die Favoritinnen, Mayer und Anais Bourgoin (Frankreich) in einem „Höllentempo“ vom restlichen Feld ab. In der Verfolgergruppe befanden sich jedoch schon unsere weiteren Läuferinnen Kerstin Hirscher, Isabel Appelt und Theresa Ortenreiter. Stephanie Weiss und Carina Fierek hatten zu dieser Gruppe ebenfalls noch Sichtkontakt.

Foto: Isabel Appelt und Kerstin Hirscher (Polizei Bayern)

Nach rund einem  Drittel der Strecke wurde die Spitzengruppe nochmals durch eine Tempoverschärfung gesprengt. Domenika Mayer, die an diesem Tage ihr Tempo sehr gut einteilte, konnte sich in einer steilen Bergpassage  Meter um Meter von der Französin lösen und diesen Vorsprung (ca. 150 Meter) souverän ins Ziel bringen.

Platz 1 und neue Polizeieuropameisterin: Domenika Mayer

Ein Novum - Platz Drei dieses Laufes. Dieser ging gemeinsam an unsere Läuferinnen, Kerstin Hirscher und Isabel Appelt. Nach einem ca. 400 Meter langen Schlussspurt kamen beide Läuferin exakt zeitgleich ins Ziel. Da kein Zielfoto zur Verfügung stand und mit dem Auge unmöglich erkennbar war wer von den Beiden die "Nasenspitze" vorne hatte, wurden beide Läuferinnen vom Zielgericht auf Platz drei gesetzt und konnten die Bronzemedaille in Empfang nehmen. Ca. 1 Min. später kam auch schon Theresa Ortenreiter auf Platz fünf ins Ziel.

Foto: Siegerehrung Einzelwertung der Frauen mit Domenika Mayer auf Platz 1 und Kerstin Hirscher sowie Isabel Appelt auf Platz 3

Unsere weiteren Läuferinnen, Stephanie Weiß und Carina Fierek belegten die vorderen Plätze 13 und 17 und rundeten das durchweg positive Erscheinungsbild unserer Läuferinnen ab.

Bereits im Ziel war klar. Die Goldmedaille in der Mannschaft geht nach Deutschland. Dann nach ca. 10 Minuten das offizielle Ergebnis.

Foto: Siegerehrung Mannschaftswertung der Damen mit Deutschland auf Platz 1

Ergebnisse der Mannschaftswertung:

mit großem Vorsprung

  1. Platz Deutschland mit   8 Punkten!!
  2. Platz Spanien                 30 Punkte
  3. Platz Großbritannien     43 Punkte
  4. Platz Frankreich             47 Punkte

 

Klasse Rennen von Patrick Karl

Um 11.30 Uhr erfolgte der Startschuss für den Männerlauf. 107 Läufer aus 19 Nationen versuchten schnellst möglichst fünf Runden von insgesamt  12,4 km Länge zu bewältigen. Unsere Läufer aus der äußeren Startbox Nummer 19.

In einem unheimlichen  Tempo rannten die Läufer die ca. 300 Meter lange Startgerade hinauf. Vorne, in der ersten Runde das Tempo bestimmend, Patrick Karl, Florian Carvalho (Weltklasse aus Frankreich) Mario Bauernfeind (Österreich) und Tom Gröschel.

Foto: Patrick Karl (Polizei Bayern)

Foto: Tom Gröschel (Polizei Mecklenburg-Vorpommern)

In kurzem Abstand folgten unsere weiteren Asse Tim Stegemann und Marcel Lehmberg. Domenik Hahn und Marcus Schöfisch liefen aufgrund der Streckenlänge etwas verhaltener an und hielten sich zu diesem Zeitpunkt im Mittelfeld der Läuferschar auf.

Foto: Marcel Lehmberg und Tim Stegemann von der Polizei Thüringen

Wie an einer Perlenkette aufgereiht liefen die Läufer ohne größere Probleme über die „giftigen“ Anstiege und Abgründe des Wiesengeländes.

Ab Runde drei ergriff  Florian Carvalho die Initiative. Mit einer extremen Tempoverschärfung  bei Kilometer fünf sprengte er die Spitzengruppe und konnte sich ca. 200 Meter absetzen. Danach folgte jedoch schon Patrick, der sich ebenfalls schon mehrere Meter von seinem Verfolger gelöst hatte.  Ab diesem Zeitpunkt war klar: Platz eins ist vergeben. Es geht „nur“ noch um die weiteren Medaillenplätze.

Obwohl der Vorsprung sich auf der letzten Runde noch beträchtlich verringerte, kam Florian Carvalho nach 42:49 Minuten als Erster und Polizeieuropameister im Crosslauf ins Ziel.

Platz zwei ließ sich Patrick Karl nicht mehr nehmen und überquerte, ungefährdet, in 43:06 Min. die Ziellinie. Auch mit Platz sechs erfüllte Tom Gröschel (44:27 Min.) seine in Ihn gesetzten Erwartungen.

Foto: Siegerehrung Einzelwertung der Männer mit Patrick Karl (Polizei Bayern) auf Platz 2

Mit Platz 9 durch Tim Stegemann und Platz 12 durch Marcel Lehmberg setzten sich zwei weitere deutsche Läufer gegenüber allen weiteren Favoriten durch und vervollständigten mit einem tollen Schlussdrittel die deutsche Dominanz.

„Bei mir lief es eigentlich von Beginn an richtig gut“, zeigte sich Patrick Karl richtig zufrieden über sein Abschneiden. Wie er kämpfte und rannte war aller „Ehren wert“. Der 24 Jährige zeigte allen, dass auch weiterhin im Sommer mit ihm zu rechnen sein wird.

Positiv überraschen konnte auch Domenik Hahn. Im zweiten Abschnitt „sammelte er Läufer für Läufer ein“ und konnte sich nach einer klasse Laufeinteilung über Platz 18 freuen. Aber auch Marcus Schöfisch konnte überzeugen. Kurz nach seinem Marathonlauf in München stand er dem deutschen Team zu Verfügung. Mit Platz 32 lieferte er eine tolle Leistung ab. Dass er seine letzten körperlichen Reserven ausgeschöpft hatte, war im Ziel deutlich zu sehen. Seine Anmerkung „mehr ging beim besten Willen nicht“ sprach Bände.

Auch der Deutsche Mannschaftsieg war in diesem Falle keine Überraschung.

Foto: Siegerehrung Mannschaftswertung der Männer mit Deutschland auf Platz 1

Polizeieuropameister im Crosslauf 2021

Ergebnisse der Mannschaftswertung:

  1. Platz Deutschland mit       29 Punkten!!
  2. Platz Frankreich                 41 Punkte
  3. Platz Österreich                 42 Punkte
  4. Platz Spanien                     88 Punkte                                     

 

Wie es seit längerer Zeit im deutschen Cross-Team üblich ist, erfolgte nachmittags in einer "Stillen Stunde" die Würdigung der erbrachten Leistungen unserer Läuferinnen und Läufer (Nicht zu vergessen die pflegenden Hände von Karsten Zscherpe).

Danach wurden die Gewinnerinnen und Gewinner im Rathaus Aarhus geehrt. Hierbei wurden die Klassen- und Mannschaftssieger der Frauen und Männerwettbewerbe gesondert geehrt und mit Ehrenpreisen bedacht. Dabei wurde dreimal die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland gespielt.

Fazit: Von acht vergebenen Medaillen wurden fünf von Läufer/innen aus Deutschland gewonnen. Maximaler Erfolg. Besser geht es bei diesem Teilnehmerfeld nicht. Herzlichen Glückwunsch. 

Abends wurde im Speisesaal der Polizei Aarhus die Abschlussveranstaltung, die von unserem dänischen Gastgeber perfekt organisiert und ausgerichtet wurde, durchgeführt.

Für mich persönlich war es eine Augenweide die vielen Athlet/innen und Funktionäre in festlicher Kleidung anzutreffen (wobei ich der Meinung bin, dass die deutsche Delegation in punkto Kleidung am besten aussah aber über Geschmack lässt sich bekanntlich ja schon immer streiten).

Foto: Die deutsche Delegation in festlicher Abendbekleidung vor Beginn der Abschlussveranstaltung

Zum Abschluss noch ein paar persönliche Worte: Zunächst möchte ich den Veranstalter zum Niveau dieser Crosslauf-Veranstaltung  beglückwünschen. Es war von der „ersten Minute“ an zu merken, dass hier absolute Profis am Werk waren. Dadurch ist gewährleistet, dass auch alle int. Spitzenathlet/innen über die die der Polizei zweifelsohne verfügt am Start sind. Besten Dank.

Es gibt immer irgendwelche Kleinigkeiten, die Anlass für Kritik sein können. Aber die geschaffenen Rahmenbedingen zu "Corona-Zeiten" waren die Basis für die Topleistungen, die zweifelsohne von den Läufern/innen aller Länder erbracht wurden.

An dieser Stelle danke ich allen Entscheidungsträgern, Vorgesetzten, den Mitarbeitern der DPSK-Geschäftsstelle, den Heimtrainern und nicht zuletzt dem eingesetzten Funktionspersonal (Trainer/Fachwart/Delegierter/Masseur/Fahrer) für ihre tatkräftige und hervorragende Unterstützung. Nur durch das kollektive Zusammenspiel aller Beteiligten sind Meisterschaften dieser Art zu bewältigen.

Ich bedanke mich auch beim Bundesministerium des Innern für die finanzielle Förderung und Unterstützung von Meisterschaften auf europäischer Ebene.

Für mich persönlich waren diese EPM im Crosslauf ein tolles Erlebnis und ich habe diese schöne Zeit im deutschen Team genossen.

Ein persönliches Dankeschön geht auch an unsere Athlet/innen für ihren sportlichen Einsatz und für ihr korrektes, sympathisches Auftreten.  Ich bin mir sicher Ihr habt Deutschland und die deutsche Polizei in Dänemark würdig vertreten und bei allen anderen Nationen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Fotos: DPSK

Text: Jörg Müller

Fachwart Cross- und Straßenlauf

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